Warum ich nicht mehr „Shabbat Shalom“ sage (und wann der Tag anfängt)

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Wer den Sabbat zum Ruhetag (gemacht) hat, lernt bald einmal, Gleichgesinnte am Freitag oder auch Samstag mit „Shabbat Shalom“ zu grüssen. Nachdem ich erkannt hatte, dass der Sabbat als Ruhetag immer noch Gültigkeit hat, habe auch ich angefangen, andere Freunde des Sabbats mit diesen Worten zu grüssen – es war fast wie ein geheimes Erkennungszeichen der „Verbündeten“. Da ich aber Traditionen allgemein als einengend empfinde, solange sie nicht explizit in der Bibel stehen, habe ich andere Sabbatbräuche, z.B. das traditionelle Kerzenanzünden am Freitagabend oder das Backen von Challa (dem Vorläufer der Schweizer „Züpfe“), nie für mich praktiziert. Ich erlebte das Kerzenanzünden nur einmal an einer Sabbatfeier bei Bekannten und jetzt muss ich sagen, dass ich froh bin, dass es nur bei diesem einen Mal geblieben ist. Warum ich so empfinde, erfahrt ihr im weiteren Verlauf des Textes.

Nur den jüdischen Brauch – und ich sage hier bewusst „jüdisch“ und nicht „biblisch“ –, den Ruhetag von Freitagabend bis Samstagabend zu feiern, habe ich nebst der Grussformel übernommen. Ich empfand es als schön, schon am frühen Abend die wöchentliche „Pause“ anzutreten. Trotzdem fragte ich mich immer wieder, warum der Tag am Abend anfangen soll, da es mir im Hinblick auf die Schöpfung und den biologischen Rhythmus unlogisch erschien. Man nannte mir den Schöpfungsbericht als Argument: da hiesse es, dass es „Abend wurde und Morgen = der x-te Tag“, bei einem Tag also zuerst der Abend genannt wird.

Auf den ersten Blick klang das plausibel, aber auf den zweiten schon nicht mehr, darum möchte ich das Thema „Tagesanfang“ aus biblischer Perspektive betrachten, bevor ich euch verrate, was dieses Thema mit dem Sabbatgruss zu tun hat.

1     Was sagt die Bibel zum Tagesanfang?

Wenn man die verschiedenen Verse mit den Schöpfungstagen genau anschaut und die traditionell jüdische Auslegung mal ausser Acht lässt, wird ein ganz klares Bild gezeichnet, das sogar Kinder verstehen können: nämlich, dass der Tag am Morgen anfängt, wenn man aufsteht, wenn die Vögel anfangen zu zwitschern und es hell wird.

Es gibt auch weitere Bibelstellen, die darauf hinweisen, dass der Tagesanfang nicht am Abend gemeint sein kann, aber in der Bibelauslegung ist die erste Erwähnung eines Begriffs oder eines Konzepts von grosser Bedeutung (dies nennt sich das Gesetz der ersten Erwähnung oder auf Englisch „The law of first mention“). Dieses Gesetz besagt nämlich, das der erste Gebrauch eines Wortes darüber bestimmt, wie es im Rest der Heiligen Schrift verstanden werden muss. Darum fangen wir mit der allerersten Erwähnung des Wortes Tag an.

1.1    Der Schöpfungsbericht

Beginnen wir am Anfang – mit dem Schöpfungsbericht in 1. Mose 1:

1 Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. 4 Und Gott sah das Licht, daß es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es ward Abend und es ward Morgen: erster Tag. (ELB 1905)

Am Ende von Vers 5 sehen wir also die berühmten Worte „es ward Abend und es ward Morgen“. Wann aber genau wurde es Abend? BEVOR Gott das Licht von der Finsternis trennte oder DANACH? Klare Sache: es wurde Abend NACHDEM Gott das Licht in Existenz gerufen und von der Dunkelheit getrennt hatte. Es steht nicht, dass es Abend und Morgen wurde und Gott erst dann anfing, Licht und Finsternis zu trennen.

Schauen wir uns den nächsten Tag an:

6 Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung[1] mitten im Wasser, und es sei eine Scheidung zwischen dem Wasser und dem Wasser! 7 Und Gott machte die Ausdehnung und schied die Wasser, welche unterhalb der Ausdehnung, von den Wassern, die oberhalb der Ausdehnung sind. Und es ward also. 8 Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es ward Abend und es ward Morgen: zweiter Tag. (ELB)

Auch hier stellt sich wieder die Frage, wann es Abend wurde und es liegt klar auf der Hand: NACHDEM Gott das Firmament zwischen die Wasser gesetzt hatte.

In den nachfolgenden Versen über den dritten Tag sehen wir dasselbe Schema: Gott trennte zuerst das Trockene vom Wasser und dann wurde es Abend und Morgen.

Dann machte er Sonne, Mond und Sterne und dann wurde es Abend und Morgen – und die Gesamtsumme von allem Beschriebenen wird als der vierte Tag bezeichnet, nicht nur der Abend und der Morgen, sondern auch das „Schaffen“ davor.

Am fünften Tag schuf Gott die Tiere im Wasser und die Vögel, bevor es Abend wurde. Am sechsten Tag wurde es Abend, nachdem Gott die Landtiere und den Menschen geschaffen hatte.

Für ein Kind ist das alles ganz logisch: Papa und/oder Mama geht am Morgen arbeiten – im Dialekt auch „schaffen“ – kommt zurück, dann wird es Abend, man geht ins Bett, und es wird Morgen. Dann fängt das ganze Spiel wieder von vorne an. Es steht übrigens nur, dass es Morgen „wurde“, was sich auf die Morgendämmerung beziehen kann, und nicht, dass diese Tageszählung den ganzen Morgen umfasst.

Nun haben wir bereits sechs Bibelstellen bzw. –verse gesehen, die dasselbe Bild malen. Da aber manche argumentieren könnten, dass das nur als ein Beleg gilt, da sich in jedem Vers dasselbe Muster zeigt, ziehe ich noch zwei weitere Bibelstellen „als Zeugen“ hinzu – gemäss dem Prinzip der Torah, dass man für die Bestätigung einer Sache zwei bis drei Zeugen braucht.  

1.2    Das Passamahl

Auch das Passahmahl spricht dafür, dass der Abend zum vorangehenden „Tag“ gehört. Man soll das Passahlamm nämlich am Nachmittag des 14. Nisan schlachten und am selben Abend bzw. durch die Nacht hindurch essen:

2. Mose12,6: Ihr sollt [das Lamm] aufbewahren bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israels soll es [zwischen den zwei Abenden][2] schächten. 8 Und sie sollen das Fleisch in derselben Nacht essen: am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum anderen Morgen. 21 Macht euch auf und nehmt euch Lämmer für eure Familien und schächtet das Passah! 22 Und nehmt ein Büschel Ysop und taucht es in das Blut im Becken und bestreicht mit diesem Blut im Becken die Oberschwelle und die zwei Türpfosten; und kein Mensch von euch soll zu seiner Haustür hinausgehen bis zum Morgen! (SLT)

4. Mo 9,3: Am vierzehnten Tage dieses Monats gegen Abend zur festgesetzten Zeit sollt ihr es halten nach all seinen Satzungen und Ordnungen. (LUT)

Am nächsten Tag, dem 15. Nisan, fängt dann das Fest der ungesäuerten Brote an, das sieben Tage dauert:

3. Mose 23,5: Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden, ist Passah dem Jehova. 6 Und am fünfzehnten Tage dieses Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote dem Jehova; sieben Tage sollt ihr Ungesäuertes essen. (ELB 1905)

Wenn mit Sonnenuntergang bereits der 15. Tag anbräche – wie es die jüdische Tradition besagt -, dann würde man das Passahlamm nicht am 14. essen, sondern am 15., während man es am 14. geschlachtet hat. Die Bibel sagt aber klar, dass das Schlachten und essen des Passahlamms am selben Tag stattfinden muss. Dies wird mit dem Gebot verdeutlicht, dass man alles Fleisch, das bis zum nächsten Morgen übrigbleibt, verbrennen soll. Auch würden so Pessach und der 1. Tag der ungesäuerten Brote auf denselben Abend fallen bzw. überlappen, was biblisch nicht haltbar ist, da Gott klar zwischen den beiden Festen unterscheidet: das Passahmahl ist für den 14. Tag bestimmt, der erste Tag der ungesäuerten Brote (ein Sabbat) für den 15. Tag des Monats, wie wir oben in 3. Mose 23,5-6 sehen.

Wahrscheinlich entstand die Verwirrung, weil man am 14. Nisan am Abend bereits kein gesäuertes Brot mehr essen soll, wie in 2. Mose 12,8 beschrieben.

1.3    Der Versöhnungstag

Am 10. Tag des siebten Monats ist der Versöhnungstag:

3. Mose 23,27: Doch am Zehnten dieses siebten Monats ist der Versöhnungstag; eine heilige Versammlung soll euch sein, und ihr sollt eure Seelen kasteien, und sollt Jehova ein Feueropfer darbringen. 28 Und keinerlei Arbeit sollt ihr tun an diesem selbigen Tage; denn es ist der Versöhnungstag, um Sühnung für euch zu tun vor Jehova, eurem Gott. (ELB 1905)

Anhand dieses Verses haben wir noch keinen Hinweis darauf, von wann bis wann der Tag dauert, aber ein paar Verse weiter gibt Yehovah eine Anweisung, die sonst auf keinen hohen Sabbat bzw. Feiertag zutrifft:

3. Mose 23,32: Ein Sabbat der Ruhe soll es für euch sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen. Am neunten [Tag] des Monats, am Abend, sollt ihr die Feier [beginnen], und sie soll währen von einem Abend bis zum anderen. (SLT)

Man soll also schon am Vorabend damit anfangen, sich zu demütigen und mit der Feier beginnen.

Das hebräische Wort anah wird im Judentum als Fasten interpretiert, es hat allerdings mehrere Bedeutungen, u.a. eben ’sich demütigen‘, ’sich kasteien‘, ’sich beugen‘ und sogar ’singen‘. Im Hinblick auf die Bedeutung des Festes, sich mit Yehovah zu versöhnen und Vergebung der Schuld zu empfangen, macht es Sinn, dass man sich vor ihm demütigt und Busse tut – ob man auf Essen verzichtet oder nicht ist da wohl zweitrangig (besonders, wenn man bedenkt, was echtes Fasten in Gottes Augen bedeutet: Jesaja 58).    

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass dies eine Bibelstelle ist, die bestätigt, dass der Tag am Abend anfängt, weil man diesen Sabbat „von Abend zu Abend“ feiern soll. Allerdings steht in Vers 27 auch, dass der Versöhnungstag auf den 10. fällt. Nur weil man – in diesem Fall – mit dem Feiern des Festes am Vorabend anfangen soll, bedeutet das noch lange nicht, dass der 10. Tag auch am Vorabend anfängt. Gemäss jüdischem Verständnis ist der Vorabend des 10. aber tatsächlich der Beginn des 10. Tages – darum beginnt für die Juden der Sabbat und jeder andere Feiertag ja auch schon am Vorabend an.

Wenn man nun die Anweisungen in Vers 32 aus jüdischer Sicht liest, dann muss man es so verstehen, dass die Feier vom Abend des 9. (Sonnenuntergang am 8.) bis zum Abend des 10. (Sonnenuntergang am 9.) geht. Aber da der eigentliche Versöhnungstag erst am 10. ist bzw. im jüdischen Verständnis nach Sonnenuntergang am 9. anfängt, decken die Feier und der Festtag sich so überhaupt nicht. Meiner Meinung nach ist das ein weiterer – wenn auch komplexer – Beweis dafür, dass der Tag nicht mit dem Abend anfangen kann, weil sich dann die beiden Anweisungen bezüglich des Festes widersprechen würden, da sie so nicht in die gleiche Zeitspanne fielen.

Ich habe versucht, dies zum besseren Verständnis in einer Tabelle darzustellen:

Wenn man die beiden Varianten vergleicht, stellt sich die Frage: welches Modell macht mehr Sinn? Ganz klar das erste. Es ist auch viel weniger verwirrend. Ich empfand das jüdische Verständnis des Tages immer als sehr verwirrend, v.a. wenn ich anhand von Datumsangaben herausfinden wollte, an welchem Abend nun ein Fest beginnt.

Aber Gott ist nicht ein Gott der Verwirrung und seine Gebote sind nicht schwer zu verstehen (5. Mose 30,11). Schliesslich sagt Yeshua selber, dass nur die, die wie die Kinder werden, in sein Königreich kommen (Matth. 18,13) – das heisst für mich u.a., dass seine Botschaft und seine Anweisungen leicht verständlich sind. Gott hat ja auch ein Interesse daran, dass wir ihn verstehen, und meistens ist es viel einfacher als wir denken, sein Wort zu verstehen.

Wenn man die Bibelstelle mit dem westlichen Verständnis liest, dass der Tag nämlich am Morgen anfängt (auch wenn er technisch gesehen um Mitternacht anfängt), macht alles wunderbar Sinn: der Feiertag ist am 10., man soll aber schon am 9. am Abend anfangen, sich zu demütigen. Diese Variante liefert gleichzeitig den Beweis dafür, dass der Abend des Vortages zu einem anderen Tag bzw. Datum gehört.

1.4    Ein Beleg aus dem Neuen Testament

Apg. 20,7: Am ersten Tag der Woche aber, als die Jünger versammelt waren, um das Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte, und er dehnte die Rede bis Mitternacht aus. (SLT)

Am ersten Tag treffen sich die Jünger zu einer Versammlung. Uns wird nicht gesagt, zu welcher Tageszeit, aber man kann annehmen, dass es abends war, da der erste Tag ein Arbeitstag war und die meisten wohl tagsüber beschäftigt waren. Wahrscheinlich haben sie sich zum „Abend-Brot“ getroffen und zusammen das Brot gebrochen, woraufhin Paulus eine mehrstündige Predigt hielt.

Wir haben hier also den Begriff „erster Tag“. Wenn der Tag am Abend anfinge, zum Zeitpunkt des Treffens, würde hier im Text wahrscheinlich nicht stehen, dass er „am nächsten Tag“ abreisen wollte: dann würde stehen, dass er am nächsten Morgen desselben Tages abreisen wollte.

Und gesetzt den Fall, dass mit dem „nächsten Tag“ eigentlich erst der übernächste Morgen gedacht gewesen wäre, hätte andererseits nicht erwähnt werden müssen, dass es Mitternacht wurde, denn dann hätte Paulus ja getrost bis in alle Nacht wach bleiben und am nächsten Morgen ausschlafen können.

Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Für solche, die das westliche Verständnis des Tages gewohnt sind, können das komplexe Denkvorgänge sein. Aber das alleine spricht schon wieder dafür, dass der Tag am Morgen anfängt: das ist für jeden leicht nachvollziehbar, auch für ein Kind. So muss man sich bei einer solchen Bibelstelle auch nicht den Kopf zerbrechen, was diese Zeitangaben denn nun genau bedeuten, denn dann geht es ganz einfach um eine Abendversammlung, die (unvernünftiger Weise) bis Mitternacht andauert, obwohl Paulus am nächsten Tag früh raus muss. Es war ganz sicher nicht die Rede davon, dass er am nächsten Tag erst nach Sonnenuntergang abreisen würde, weil es zu dieser Zeit noch keine Strassenlaternen und Strom im Allgemeinen gab: man nutzte das Tageslicht zum Reisen und brach meist früh morgens auf.

1.5    Weitere „Zeugen“

Hier noch ein weiterer, wenn auch vielleicht nicht ein so konkreter Gedankenanstoss: Durch die ganze Bibel hindurch sehen wir, dass die Worte Tag und Nacht fast ausschliesslich in dieser Reihenfolge benutzt werden – ausser eben in der Schöpfungsgeschichte, wo wie erwähnt steht, dass es Abend und Morgen WIRD. Aber auch bereits bei der Erschaffung von Sonne, Mond und Sterne wird ihre Aufgabe beschrieben als das Scheiden von Tag und Nacht – nicht Nacht und Tag!

Es gäbe sicher noch mehr Belege in der Bibel, aber meiner Meinung nach reicht das: die benötigten zwei bis drei Zeugen sind gegeben. Wer diese Belege ernsthaft und ohne Vorurteile bzw. vorgefertigte theologische Meinungen studiert, sollte zum selben Resultat kommen wie ich. Nicht etwa, weil ich Recht habe, sondern weil Gottes Wort einfach und klar ist und allein der Schöpfungsbericht die sechs „Arbeitstage Gottes“ ganz praktisch beschreibt, in chronologischer Reihenfolge.

Meiner Meinung nach bestätigt die Schöpfung dann gleich selbst noch die Schöpfungsgeschichte punkto Tagesanfang: in der Natur fängt der Tag mit dem Morgengrauen bzw. Sonnenaufgang an, die Dunkelheit weicht dem Licht, die Kühle der Nacht der Wärme des Tages. Auch Yeshua, der Messias, wird als Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, mit Heilung unter seinen Flügeln (Maleachi 3,20) und nach langer Dunkelheit den siebten Tag – das siebte Jahrtausend bzw. das tausendjährige Reich – einläuten. Es wird nicht dunkel, wenn er kommt, es wird hell. Auch wenn er wie ein Dieb in der Nacht kommt, weicht diese Nacht dem Tag an dem er als ewiger König seine Herrschaft auf der Erde antritt. 

Auch für mich persönlich hat der Tag schon immer nach dem Aufstehen begonnen, egal wie früh oder spät ich schlafen gegangen oder aufgestanden bin. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil man im Schlaf verarbeitet, was man während dem vorangegangenen Tag erlebt hat, sich regeneriert, erholt und das Schlafen auch eine gewisse emotionale und zeitliche Distanz zum Vortag schafft.

Und sogar unsere Sprache drückt aus, dass der Tag „am Morgen erwacht“. 

2     Vom Tagesanfang zum Sabbatgruss

Als für mich aus biblischer Sicht die Frage geklärt war, wann der Tag anfängt, stellte sich plötzlich eine neue Frage: warum halten denn die Juden an der Überzeugung fest, dass der Tag am Abend anfängt? Ich suchte nicht aktiv nach einer Antwort, weil ich nicht gewusst hätte, wo anfangen, aber über Umwege bin ich nun auf des Rätsels Lösung gekommen – und diese möchte ich euch nicht vorenthalten.

Es würde jetzt zu lange dauern, euch jedes Puzzleteil zu erklären, das mich zur hier behandelten Erkenntnis geführt hat, aber ein wenig ausholen muss ich trotzdem. Ich habe schon vor zig Jahren damit angefangen, mich mit Freimaurerei, Satanismus, New Age Mystizismus, falschen Lehren etc. zu befassen und habe über die Jahre hinweg immer mehr erkannt, dass das moderne Christentum völlig vom Heidentum unterwandert ist.

Durch die Erkenntnis, dass die Torah noch Gültigkeit hat und jeder Teil von Gottes Wort für mein Leben relevant ist und zuerst immer wortwörtlich (und natürlich im Kontext) verstanden werden muss, realisierte ich immer mehr, wie weit die Christenheit vom ursprünglichen Weg abgekommen ist. Ich erkannte neu, wie praktisch Gottes Wort ist und wie leicht zu verstehen und umzusetzen es ist (wenn unser Ego uns keinen Strich durch die Rechnung macht).

Anfangs sah ich nur, wie weit sich das Christentum von seinen Wurzeln entfernt hat, während das Judentum das hebräische Schriftverständnis bewahrt hat. Aber bald kamen auch erste Fragen bezüglich jüdischer Bibelauslegungen, Überlieferungen und Traditionen auf.

Beispielsweise war ich nach eingehendem Bibelstudium überzeugt davon, dass man am Sabbat Essen zubereiten darf, da Yehovah dies auch an hohen Sabbaten erlaubt, oder dass man Strom brauchen darf, weil sich das Gebot, am Sabbat keine Feuer in den Zelten zu entfachen, auf Arbeitsfeuer bezog. Ich konnte auch von Anfang an nie nachvollziehen, dass man Fleisch und Milch trennen muss – besonders in Anbetracht der Tatsache, dass Yehovah bei Abraham Kalbfleisch und Milchprodukte (Butter/Sauermilch) in einer einzigen Mahlzeit ass! Weiter verstand ich nie, dass die Juden den Namen Yehovahs nicht aussprechen, obwohl unser Schöpfer in 4. Mose 6,27 ausdrücklich sagt, dass die Priester anhand des aaronischen Segens den Namen Gottes auf die Kinder Israels legen sollen. Ich befasste mich eingehend mit der Vokalisierung des Namens und glaube heute, dass sein Name Yehovah ausgesprochen wird[3].

Aber immer noch kratzte ich (unwissentlich) erst an der Oberfläche. Erst im Verlauf des Jahres 2019 wurde mir bewusst, dass das traditionelle Judentum weitestgehend kabbalistisch ist bzw. viele Traditionen und Bibelauslegungen der Kabbala verdankt. Die Kabbala ist eine uralte, satanische Lehre, die dem Sonnen- und Mondkult entspringt. So wie das Christentum durch den Sonnenkult der Römer geprägt wurde, wurde auch die hebräische Glaubenslehre auf subtile Weise durch die Kabbala umgeschrieben.

2.1    Die Königin des Sabbats

Bei der Lektüre des Buches „The View Beneath“ von Mishel McCumber machte ich die schockierende Entdeckung, dass im Judentum die „Sabbatkönigin“ verehrt wird, eigentlich die Mondgöttin Semiramis, auch bekannt als die Ashera der Kaananiter, als „Königin des Himmels“ in Katholizismus und Islam, oder als „Mutter Natur“ im Pantheismus.

Die Autorin fuhr folgendermassen fort: „Es ist auch Eema, aka Shekinah, Königin des Sabbats, welche die Juden jeden Freitagabend bei Sonnenuntergang mit dem Anzünden der Sabbatkerzen willkommen heissen“[4] (übersetzt von mir). Endlich fiel bei mir der Groschen: DARUM fängt der Sabbat bzw. der Tag bei den Juden am Abend an: weil der Mond die Nacht regiert bzw. weil die Himmelskönigin dann „aufgeht“! Sofort kam der Verdacht auf, dass das der Hintergrund von „Shabbat Shalom“ sein könnte: ein Gruss, um die Himmelskönigin willkommen zu heissen.

Nach kurzer Google-Suche wurde mir bestätigt, was ich gelesen hatte: jüdische Gläubige geben offen zu, dass sie bei Anbruch des Sabbats die Himmels- bzw. Sabbatkönigin willkommen heissen und ehren[1].


. Ich bekam zwar keine direkte Bestätigung, dass der Sabbatgruss an sie gerichtet ist, aber das Zugeständnis, dass sich die traditionellen Handlungen am „Erev Sabbat“ (Sabbatabend) um die Huldigung der Mondkönigin drehen, war mir Bestätigung genug.

So informierte ich umgehend meine Freunde über diese Erkenntnis und gewöhnte mir den Gruss schleunigst ab. Ich war sehr froh, eine kultische „Formel“ entlarvt zu haben, die ich in mein Leben gelassen hatte, und dankbar, dass ich sie so leicht wieder aus meinem Leben verbannen konnte – denn Worte haben Macht.

Bis zu besagtem Tag hatte ich es immer ein bisschen seltsam gefunden, dass man Menschen grüsst, indem man seine Worte an einen Tag richtet. Jetzt leuchtet es mir ein, warum es so ist – und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass da 100% Absicht dahintersteckt. Ich sage das so klar, weil die Kabbala sehr gefährlich und irreführend ist, genau wie jede andere Lehre, die nicht mit Gottes Wort übereinstimmt. Es ist eine von vielen Geheimlehren, die ins Verderben führen.

Dies war mir mal wieder eine Lehre, dass wir wirklich ALLES prüfen müssen. Satan kennt die Bibel wahrscheinlich besser als jeder Mensch. Das ist auch äusserst wichtig für ihn, weil er ja selber nichts erschaffen kann, sondern nur mit dem arbeiten kann, was Gott gemacht hat. D.h. er MUSS sich Gottes Wort bedienen, seiner Sprache, seiner Prophetien etc. Allerdings ist er auch äusserst schlau und gerissen und weiss wie er uns Unwahrheit als Wahrheit verkaufen kann. Er ist darin sehr subtil und präsentiert Dinge immer äusserst verlockend. Darum ist es wichtig, Gottes Wort selber zu studieren und möglichst gut zu kennen, um auch feine Abweichungen davon schnell zu erkennen. Wenn ich nicht bereits durch konkrete Bibelstellen davon überzeugt gewesen wäre, dass der Tag nicht am Abend anfängt, hätte ich den Zusammenhang von Begrüssung des Abends, des Mondes und der Himmelskönigin vielleicht nicht so schnell verstanden. Aber so konnte ich sofort Früchte der Erkenntnis ernten und meinem Umfeld weitergeben.

Wir haben den Sabbatgruss seither übrigens nie vermisst. Allerdings kann es knifflig sein, am Sabbat anderen Gleichgesinnten zu begegnen, die diesen Gruss noch verwenden bzw. ihnen zu erklären, warum wir ihn nicht mehr benutzen. Aus genau diesem Grund habe ich mir die Zeit genommen, diesen Blogpost zu schreiben und hoffe, dass er dem einen oder anderen Leser auf seiner Wahrheitssuche dienlich ist.

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Disclaimer:
Wissen ist Stückwerk und so ist auch dieser Blogpost ein Spiegel meines derzeitigen Erkenntnisstandes. Mein Ziel ist, Gottes Wahrheit zu entdecken, zu leben und zu vermitteln, darum bemühe ich mich darum, belehrbar und formbar zu bleiben. So musste ich in der Vergangenheit schon öfter meine Überzeugungen revidieren oder gar über Bord werfen. Allerdings zeigt es sich je länger je mehr, dass die unzähligen Puzzleteile über die Jahre hinweg ein immer schlüssigeres Bild ergeben, auf das ich aufbauen kann. Manchmal bin ich immer noch ein bisschen schnell, Dinge als bare Münze anzuerkennen, ohne sie gründlich zu prüfen, aber bei meinen Blogposts handelt es sich ausnahmslos um Themen, mit denen ich mich eingehend auseinandergesetzt habe und die ich z.T. über Jahre hinweg ausgebrütet habe.


[1] Ich bevorzuge bei Gottes Namen die hebräische Schreibweise. Leseempfehlung zum Namen Gottes: 1. Buch von Nehemia Gordon: Shattering the Conspiracy of Silence, 2012. 2. Blogpost von Navah ben Avraham: The Hebrew Yehovah vs. The Roman Yahweh (http://timeofreckoning.org/category/hebrew-yehovah-vs-roman-yahweh?fbclid=IwAR1hQKcERbId_iwlxuXITwEg2Smju2mL07vntcRpfzEAWmUNyLTb9r6fgpc). Zuletzt geöffnet: 27.3.2020.

[2] „It is also Eema, aka Shekinah, Queen of the Sabbath that the Jews welcome in at sundown every Friday night by the lighting of the Sabbath candles.“ Aus: Mishel McCumber: The View Beneath, 2016: S. 198

[3] Zwischen den zwei Abenden bedeutet vermutlich die Zeit nach dem Zenit der Sonne bis zum Sonnenuntergang: also „Nachmittag“.

[4] Das hebr. Wort ist von einem Verbum „feststampfen, breithämmern“ abgeleitet und meint eine gehämmerte Platte oder Schale, eine nach allen Seiten ausgeweitete Fläche o. Wölbung. (Kommentar in der ELB)

[5] Noam Zion: L’cha Dodi and the Kabbalist Background to Kabbalat Shabbat (https://hartman.org.il/Blogs_View.asp?Article_Id=1431&Cat_Id=275&Cat_Type=BlogsText). Zuletzt geöffnet: 27.3.2020.

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