Dein Reich komme – oder: das Gesetz der Liebe

Jedes Königreich baut auf (Ver)Ordnungen auf, denn ohne Gesetze kann kein Königreich und kein Staat funktionieren oder bestehen.
Dazu eine Frage: Wer hat je schon von einem Königreich gehört, wo nur der König sich an die Ordnungen des Landes halten muss? Ist es nicht meist umgekehrt, dass dem König sogar Freiheiten eingeräumt werden, die das Volk nicht hat? Und nennt man nicht solche, die sich nach keinem Gesetz richten „Gesetzlose“ und das System solcher Gruppen „Anarchie“?

Im Christentum hält sich hartnäckig der Gedanke, dass die alttestamentlichen Verordnungen Gottes für uns  nicht mehr gelten, weil Yeshua das Gesetz ja „erfüllt“ hat und uns durch seinen Tod erlöst und zur Freiheit berufen hat – und natürlich auch gleichzeitig das Schwein rein gemacht hat! –> Mehr dazu in meinem nächsten Blog über Essen aus Gottes Sicht: „Schwein gehabt?

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Für mich war ein Leben lang nicht klar, was es wirklich bedeutet, dass wir nicht mehr unter dem Gesetz sind. Es machte für mich nie wirklich Sinn, dass wir uns irgendwie nicht mehr an Gottes Wort orientieren müssen, aber irgendwie doch noch.
Denn einige Sachen haben wir konserviert und adaptiert: z.B. sind die 10 Gebote die Grundlage für unser staatliches Gesetz – abgesehen vom Sabbat. Und der Zehnte, der alttestamentlich ist und von dem es 5 verschiedene gab, wird völlig aus dem Kontext gerissen als heute gültiges Gesetz gepredigt. Einfach völlig paradox! Ich war gelinde gesagt: verwirrt.

Doch vor kurzem kam Licht in mein Dunkel und es hat mein Leben verändert, mir gingen regelrecht Kronleuchter auf! Aber das Wichtigste am Ganzen ist, dass Gott für mich dadurch so viel realer wurde und mich durch diese Erkenntnis in eine neue Tiefe geführt hat, die eine Quelle der Freude für mein Herz ist. Meine Liebe zu Gott ist extrem gewachsen dadurch und das wünsche ich jedem Menschen auf dieser Erde ebenso!


Wurde das Gesetz wirklich erfüllt und dadurch aufgehoben?

Als erstes möchte ich genauer betrachten, was es mit dem Tod Yeshuas wirklich auf sich hat bzw. wie sich dieser auf das Gesetz ausgewirkt hat:

  • Er hat den Tod, den wir durch das Nichterfüllen des Gesetzes verdienen, aufgehoben[1], Vergebung und den Zugang zum Vater möglich gemacht (Apg 10,43 | Eph 2,18)
  • Er ist zum ewigen Hohepriester geworden, darum ist der Priesterdienst im Tempel nicht mehr nötig
  • Er ist als Opferlamm stellvertretend für die Menschheit gestorben und hat so den Opferdienst im Tempel abgeschafft (Hebr 9,11-12)
  • Er hat den alten Tempel niedergerissen und uns Menschen als Tempel auserwählt, wo er wohnen will (2. Kor 6,16)

Yeshua hat sich vorbildlich und vermutlich mit Freude an die Essensvorschriften gehalten, den Sabbat gehalten und jedes andere Gesetz erfüllt – dadurch war es ja auch möglich, dass er als fehlerfreies Opfer stellvertretend für uns sterben konnte. Aber nur weil ER es eingehalten hat und dafür Vergebung möglich gemacht hat, heisst das noch lange nicht, dass es für uns dadurch ungültig wird! Das ist ja als würde das Gesetz, nicht zu töten plötzlich ungültig, weil EINE Person es eingehalten hat. Oder als müsste man die Konsequenzen nicht tragen, wenn man bei rot über die Ampel fährt, weil ja EINE Person bei rot stehengeblieben ist und somit dieses Gesetz für immer erfüllt hat. Irgendwie unlogisch, oder?
Noch ein anderer Gedanke zum „erfüllten“ Gesetz. Wenn das Gesetz für uns nicht mehr gilt, weil Yeshua es für immer – auch rückwirkend – erfüllt hat, warum galt es denn jemals für sein Volk? Yahweh wusste ja seit Urzeiten, dass er seinen Sohn senden würde? In dem Fall wäre die Torah ja nie nötig gewesen, weil der Tod Yeshuas für alle Zeit gilt, bis zurück zum ersten Tag der Schöpfung!

Zudem hat Yeshua mit keinem Wort je angedeutet, dass das Gesetz aufgehoben wird – im Gegenteil! Yahweh nimmt es extrem ernst, dass an seinen Anweisungen nicht rumgepfuscht wird und sagt durch seinen Sohn in Matth 5,17-18:

  • Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz (hebr. Tora – die 5 Bücher Mose) oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen.Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe (gr. jota) noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.

Mir scheint, dass zwar dem zweiten Teil von Vers 17 noch Glauben geschenkt wird, dass aber der erste oft vergessen geht. Yeschua sagt es selbst: er ist nicht gekommen um die Tora („Anweisung, Instruktion“) aufzulösen. Wenn er das für uns in seinem Wort festhält, könnte es dann nicht sein, dass ihm diese Botschaft wichtig ist? Und ist nicht das allein Grund genug, sich mal genauer mit dem Thema auseinander zu setzen ohne vorgefasste theologische Meinung? Ich kann mir vorstellen, dass Yeschua das klargestellt hat, weil er bei den Schriftgelehrten aneckte durch seine Kritik an ihren selbstgeschaffenen zusätzlichen Gesetzen und darum seine „Gottesfürchtigkeit“ öffentlich in Frage gestellt wurde. Mit diesen und den folgenden Worten stellt er aber klar, dass er die Lehre der Tora (Anweisungen seines Vaters) und das Leben danach gutheisst, jedoch nicht die zusätzlichen Anweisungen und Lehren der Schriftgelehrten.

Wenn ich mit Christen z.B. über das Thema Sabbat rede, fällt immer sehr schnell das Wort „gesetzlich“ (nebst der „Freiheit“, von der ich oben sprach). Bevor ich also noch weiter ins Thema eintauche, hier ein paar Gedanken zu „Gesetzlichkeit“.


Ist es wirklich „gesetzlich“, Gottes Gebote zu halten?

Gegenfrage: empfindest Du es als gesetzlich, dass jeder in der Schweiz auf der rechten Strassenseite fahren oder bei rot anhalten muss? Und wie steht’s mit der 42-Stunden Woche? Diese Sachen sind gesetzlich verankert in der Schweiz und jeder muss sich dran halten – wir tun es sogar gerne. Auf der Strasse v.a. weil wir wissen, dass wir sonst nicht lange leben und andere gefährden. Warum ist es dann SO abwegig, die Gebrauchsanweisungen unseres Erfinders heute noch ernst zu nehmen?
Die Natur blüht heute, tausende von Jahren nach der Schöpfung, noch wie am Tag 1: weil sie sich an die Naturgesetze hält. Wer sich gerne draussen aufhält, kann bezeugen, dass dieses „Gehorchen bis aufs i-Tüpfelchen“ verschwenderische und betörende Schönheit am Laufmeter produziert, tagein, tagaus, jahrein, jahraus.

Warum tun wir Menschen uns dann so schwer, Gottes Weisungen als Masstab für unser Leben, unseren Alltag zu nehmen? Wo bleibt der Glaube daran, dass unser Schöpfer weiss, wovon er spricht?
Yeshua hat nicht umsonst gesagt, dass wir wie die Kinder werden müssen, um ins Himmelreich zu kommen. Gottes Prinzipen scheinen oft lächerlich einfach oder für unsere Zeit überholt. Uns wäre es peinlich zu sagen, dass wir bestimmte Tiere nicht essen, weil sie Gott als unrein erklärt hat. Man könnte ja meinen, wir seien nicht ganz dicht. Und überhaupt: warum sollten wir uns daran halten, wenn niemand sonst es tut? Vielleicht, weil Gott selbst es tut? Vielleicht, weil er ein ewiger, allwissender Gott ist und besser weiss, was uns gut tut und schadet als wir jemals wissen werden?

Wie dem auch sei: sich an ein Gesetz zu halten ist nicht gesetzlich. Nach der Definition Yeshuas meint gesetzlich, selber Gesetze zu schaffen und anderen aufzubürden, so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten es taten (Lk 11,46) und heute noch tun – ob Juden oder Christen ist da einerlei. Yeshua war das ein riesen Dorn im Auge: Während er die Anweisungen seines himmlischen Vaters zu 100% einhielt, trat er die Gesetze der Pharisäer mit Füssen und wies die Schriftgelehrten immer wieder öffentlich zurecht. Er brachte sie damit sogar so auf die Palme, dass sie ihn schlussendlich dafür ans Kreuz nageln liessen! Obwohl sie eigentlich das Wort Gottes am besten kannten und im Tanach (AT) hunderte von Merkmalen stehen, woran sie den Gesalbten des Herrn – den Messias – hätten erkennen müssen, erkannten sie ihn nicht als er leibhaftig vor ihnen stand. Die Liebe zu ihren eigenen Gesetze trübte ihren Blick sosehr, dass sie blind waren für die Freiheit, in der Gottes Sohn sich bewegte während er nur tat, was ihm sein Vater auftrug.


Das Gesetz der Ewigkeit

Hier einige Bibelstellen dazu, die den von Yeshua erwähnten Ewigkeitscharakter von Gottes Gesetz verdeutlichen.

Das, was wir Christen unter dem „neuen Bund“ aus Jeremia 31 verstehen, ist noch nicht eingetreten, denn wir brauchen heute noch Lehrer, die uns auf Yahweh aufmerksam machen. Aber hier ist die Rede davon, dass wir keine mehr brauchen werden, weil die Tora in unser Herz geschrieben ist – für alle Ewigkeit!

  • Jer 31,33-36: Das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz (hebr. tora) in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; 34 und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den Herrn!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der Herr; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!  35  So spricht der Herr […]: 36 Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht beseitigt werden können, spricht der Herr, dann soll auch der Same Israels aufhören, allezeit ein Volk vor meinem Angesicht zu sein!

Vers 36 drückt aus, dass es eine Unmöglichkeit ist, die Ordnungen vor Gottes Angesicht zu beseitigen. Wo ist Yahwehs Angesicht? Im Himmel, also ist das auch der Ort, wo seine Ordnungen für immer bestehen werden. Warum sollte Gott also zwischenzeitlich die Torah für ungültig erklären, nur um sie im Himmel wieder zu etablieren? Macht keinen Sinn und würde gegen die Beständigkeit Gottes sprechen!

Ein weiterer Vers, der auf die Wichtigkeit der Bewahrung dieser Gebote hinweist, ist Offb 14,12:

  • Hier ist das standhafte Ausharren der Heiligen, hier sind die, welche die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus bewahren!

Und wer kennt nicht den Mann nach dem Herzen Gottes – der einzige Mensch, der in der Bibel so genannt wird: König David. Psalm 119 zeugt im längsten Kapitel der Bibel während 176 Versen davon, wie sehr David danach strebt, Gottes Gesetze zu lernen, sie zu achten, zu halten, sich darüber zu freuen und sogar zu lieben! Und von diesem König hat Yahweh gesagt, dass er einen Nachkommen zeugen wird, der in Ewigkeit auf dem Thron Davids regiert! David liebte die Ordnungen, Wege, Befehle, Zeugnisse, Gebote und das Wort Gottes und es würde niemandem in den Sinn kommen, ihn als gesetzlich abzustempeln. Im Gegenteil: David gilt als DER Liebhaber und Geliebte Yahwehs.


Das Gesetz des Todes

Der Bund, den Yahweh mit Abraham, Isaak und Irsael schloss ist ein Bund ewiger Liebe (5. Mose 7,12 NLT), der eines Bräutigams mit seiner Braut. Yahweh, der König des Himmels, hat sich Israel – d.h. alle, die ihn lieben – zur Braut ausgesucht: der Bund im alten Testament kommt also einem Ehebund der Treue gleich. Yahweh blieb treu, seine Braut nicht. Immer wieder erwähnt er, wie Israel ihre erste Liebe verlassen und Ehebruch begangen hat, indem sie anderen Göttern diente.

Nun gibt es aber auch das Gesetz, dass Ehebruch mit dem Tod bestraft wird. Da sich Yahweh an sein eigenes Wort halten muss, blieben ihm nur zwei Möglichkeiten: seine Braut zu töten oder aber selber zu sterben, damit sie als Witwe nicht mehr des Ehebruchs bezichtigt werden kann. Wer nämlich als Witwe einen anderen Mann heiratet, bricht die Ehe nicht! DAS ist das Geheimnis um das Opfer Yeshuas: das ist der Grund für seinen Tod. Er hat seine Braut zur Witwe gemacht, damit sie nicht unter das Gesetz des Todes durch Ehebruch (Dienen anderer Götter) fällt. Von DIESEM Gesetz des Todes hat Yeshua uns befreit aus purer Liebe.

Aber die Grundpfeiler des Himmeleichs Gottes (Torah) hat er damit nicht aus dem Weg geschaffen. Hier nochmals etwas deutlicher:

Stell Dir vor, Du begehst ein Verbrechen, das den Tod verdient: Du wirst deinem Ehepartner untreu. Ehebruch wird in deinem Land laut Gesetz mit dem Tod bestraft. Nun kommt dein Ehepartner, der noch nie einer Fliege etwas zuleide getan hat und stirbt an Deiner Stelle für Dich. Heisst das nun, dass das Ehebruch-Gesetz im ganzen Land nicht mehr gültig ist? Keinesfalls, aber die Strafe ist dir erlassen worden, weil jemand anders sie (unschuldig!) getragen hat, sie hat für Dich also keine Gültigkeit mehr.

Stell dir das mal ganz konkret vor: die Person, die Dir am nächsten steht und der Du Unrecht getan hast, stirbt an Deiner Stelle für dieses Unrecht. Was hat das für eine Wirkung auf Dich? Gehst Du dann unberührt in dein altes Leben zurück und machst den gleichen Fehler nochmal? Wohl eher nicht, denn eine solche Situation ist so demütigend, dass du bestimmt alles daran setzt, dieser Person auf ewig Ehre zu erweisen, indem Du versuchst, genau so fehlerlos durchs Leben zu gehen und den Lebensstil dieser Person zu Deinem zu machen. Welchen Lebensstil hat denn Jesus gelebt? Den seines Vaters und seinen eigenen, der identisch ist, weil sie Vater und Sohn, König und Thronfolger sind: sie regieren das gleiche Land!

Yeschua, Prinz und Thronfolger, ist für seine ihm Anvertraute treulose Frau gestorben – die Verfassung dieses Königreichs wurde dadurch aber nicht ungültig, sonst gäbe es dieses Königreich nicht mehr!

Und so hat Yeshua Yahwehs Bund der Liebe, der mit Abraham begann, erfüllt und bestätigt: er wurde niemals ersetzt. Welch höheren oder besseren Bund könnte der Schöpfer uns denn bieten, als das Versprechen seiner ewigen Liebe? Und wie könnte er dieses Verprechen je brechen, wenn er sich selbst und seinem Wort nicht untreu sein kann (2. Tim 2,13)?


Das Gesetz der Liebe

Während ich mich mit diesem Thema beschäftigte, begriff ich mehr und mehr, dass alles und auch wirklich alles in Gottes Wort sich um die Liebe dreht. Und ich meine jetzt nicht abstrakte Liebe, die nicht fassbar ist, sondern eine ganz konkrete. Yeshua bringt es schön auf den Punkt wenn er sagt, dass alle Gesetze in diesen zweien zusammengefasst sind: Gott, sich selber und den Nächsten lieben.

  • Er aber antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!« (Lk 10,27 | 5. Mose 6,5 | 3. Mose 19,18).

Ich glaube die ganzen Gesetzesanweisungen sind schlicht und einfach die Grenzen innerhalb derer sich die Liebe bewegt, sich entfalten und wachsen kann. Denn: Liebe ist – wie alles andere auch im Universum – auf Gesetzen aufgebaut.
Schwieriger Gedanke? Dann hier eine Frage:
Ist Liebe freiwillig oder erzwungen? Immer freiwillig, weil es sonst nicht Liebe sein kann. Liebe hat also ganz klare Einschlusskriterien und glasklare Grenzen.
Wenn man nun die Torah mit dem Liebes-Filter betrachtet, was wird ersichtlich? Wenn ich liebe, werde ich die Person weder töten, hintergehen, belügen, bestehlen, beneiden noch betrügen wollen. Wenn ich liebe achte ich das Gegenüber, ehre es, diene ihm. Dann bin ich unendlich geduldig und gnädig, schütze, hege und pflege die Person. Ich werde dem Liebsten nichts zu essen geben, was ihm schadet usw.

Ein Spiegelbild der Liebe, das sich in der Torah ausdrückt, finden wir in 1. Korinther 13. Ohne Liebe geht nichts, kann nichts bestehen und die Liebe ist das Höchste aller Dinge. Ich glaube, dass die Anweisungen Gottes (die Torah) eigentlich ein Leitfaden sind, wie wir Ihn, uns selbst und einander lieben können. In 5. Mose 11,22 steht in der englischen Übersetzung NLT, dass wir Yahweh Liebe zeigen sollen, indem wir in seinen Wegen wandeln. Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich als Mensch meinen Schöpfer überhaupt nur ansatzweise wirlich lieben kann und wie ich das anstelle? Dabei haben wir die Antwort schwarz auf weiss, seit tausenden von Jahren: Yeshua selber fasst nicht nur, wie oben gesehen, die Gebote der Torah mit Liebe zusammen, sondern fordert uns heraus, ihn mit dem Befolgen seiner Anweisungen zu lieben (Joh 14, 21): „Wer meine Gebote kennt und sie befolgt, der liebt mich wirklich“.

Welcher Mensch auf dieser Welt strebt nicht danach, (mehr) zu lieben?! Und wer sehnt sich nicht nach einer gegenseitigen (Liebes-)Beziehung, nach Gemeinschaft, Einheit und Harmonie – Dinge wofür wir geschaffen wurden?


Gesetz der Einheit

Ich glaube, dass der Schlüssel zur Einheit im Volk Gottes da liegt, wo es Gott wieder beim Wort nimmt undn sich innerhalb seiner Ordnungen bewegt. Dazu ein Gedanke zum Thema Einheit:

  • Jede Einheit bedarf der Grenzen, denn ohne Abgrenzung gegenüber dem, was sich ausserhalb gewisser Grenzen befindet, kann keine Einheit definiert werden.[2]

Stell Dir mal konkret vor, jeder Nachfolger von Yeshua würde wieder den Sabbat halten, sich an Gottes Anweisungen bezüglich dem Essen halten und die Feste feiern, wie Gott sie anordnet: Da ist Einheit vorprogrammiert! Wenn ein Volk wie ein Mann hinter seinem König steht und alles genau so tut, wie dieser es anordnet, an seinem ihm zugewiesenen Platz – wird dann nicht dieses Königreich in Schönheit und Vollkommenheit erstrahlen, wie es die gesetzestreue Natur auch tut?

Was ich aber auch betonen möchte ist dies: wir können uns den Himmel mit dem Einhalten das Gesetzes (Taten) nicht verdienen, weil wir es niemals erfüllen. Es ist Gnade und der Glaube an Yeshua, der uns rettet (Joh 3,16) – und es ist der Geist Gottes, der uns hilft, nach Gottes Willen zu leben.
Aber Glaube und Gesetz sind soviel mehr als Worte und „Gebote“, viel reicher und vielschichter. Ich bin immer mehr der Überzeugung, dass man Worte (Glaube) und Taten (Gesetz halten) nicht trennen kann – im jüdischen Verständnis tut man dies auch nicht. Der Schwerpunkt auf den (kopflastigen) Glauben bzw. lediglich bekennen mit Worten kam durch den Einfluss von griechischem Gedankengut zustande. Neuste Erkenntnisse in der Neurologie bekräftigen das jüdische Verständnis, dass Gedanken und Taten in engster Verbindung zueinander stehen: toxische Gedanken und körperliche Krankheiten z.B. sind aufs engste miteinander verknüpft, d.h. dass negative Gedanken und buchstäblich krank machen (können). Gleichzeitig kann ein positiver, lebensbejahender Gedanke gesund machen. Der Gedanke manifestiert sich also auch in der sichtbaren Welt durch die Krankheit.

Yeshua selbst war Jude und im Judentum sind Worte und Taten unzertrennlich verknüpft, was eigentlich auch Sinn macht. Wenn ich z.B. glaube, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel mir schadet, bin ich erst glaubwürdig, wenn ich es auch nicht mehr esse. Genau so verhält es sich auch mit unserem Glauben an den König. Die Frage ist: Welchem König schenken wir sichtlich Vertrauen?


Das Gesetz des Königreichs der Himmel

Wie ich gleich beim Einstieg erklärt habe, kann kein Staat ohne Gesetze bestehen. Die Schweiz, die auf einer Bundesverfassung gründet, wäre nicht mehr die Schweiz, wenn sich niemand an diese Verfassung halten würde – sie könnte als Land nicht überleben. Genau so darf man sich auch nur Schweizer nennen, wenn man einen Pass besitzt und sich an die hiesigen Regeln hält.
Nun gibt es den König der Welt, den Teufel (Luk 4,6 | Matth 4,9), und den König des Himmels, Yahweh – d.h. genau zwei Königreiche, zwischen denen wir frei wählen können.

Wir haben die Verfassung des Himmelreiches schwarz auf weiss, seit tausenden von Jahren, weil Yahweh alles daran gesetzt hat, dass seine Worte überliefert werden. Innerhalb dieser Verfassung befindet sich dieses Königreich, ausserhalb schlicht und einfach nicht. Innerhalb liegt der verheissene Segen (5. Mo 28), ausserhalb die Absenz alles Guten, d.h. der Fluch. Die Rettung kommt durch Glauben (der sich auch in Taten ausdrückt), der Segen durch das Laufen in Yahwehs Ordnungen. Ausserhalb dieser Ordnungen ist Chaos und Zerstörung vorprogrammiert, denn wer sein Leben nicht nach dieser Verfassung ausrichtet, richtet es unweigerlich nach der Verfassung eines ANDEREN Königreichs aus. Neutralen Boden gibt es nicht im geistlichen Raum!!!

Oder anders gesagt: wir können nicht nicht anbeten. Wir erweisen in allem was wir tun einem König die Ehre. Die Frage ist nur: welchem König? In welchem Königreich bewege ich mich? Jeder Mensch ist grundsätzlich dem König der Welt untertan. Erst wenn er nach den Ordnungen des Himmels lebt, setzt er ein sichtbares Zeichen dafür, dass er dem König des Himmels dient und an dessen Existenz glaubt. Damit gibt er Yahweh, seinem König, das Recht, in seinem Leben zu regieren und nach den Masstäben des Himmels (übernatürlich) einzugreifen.

Endlich verstehe ich auch, warum Yeschua uns so zu beten gelehrt hat, wie es im Vater Unser in Matth 6,9-10 steht:

  • Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Wir beten, dass Gottes Reich auf der Erde sichtbar wird, dies wird aber erst möglich, wenn wir uns nach den Ordnungen des Himmelreiches richten. Wie das geht, hat uns Jesus höchstpersönlich vorgelebt. Als er auf der Welt wandelte, sagte er: das Himmelreich ist nahe herbeigekommen (Matth 4,17). Ich glaube, dass er damit auf sich selbst verwiesen hat, weil er der einzige Mensch war, der zu jeder Zeit vollkommen im den Ordnungen des Reiches Gottes gewandelt ist während er auf Erden war! Wohin er auch kam herrschte buchstäblich das Reich des Himmels.

Übrigens: Yeschua hat das Königreich gepredigt, wohin er auch ging. 3x redete er von der „Gemeinde“, 108x vom Königreich des Himmels.

Wir fragen immer wieder nach Gottes Willen – dabei hat er ihn längst offenbart und uns durch sein Wort die Bundesverfassung des Himmelreichs gegeben. Die Torah ist die Rechtsurkunde, die die Geschäftsbedingungen festhält, welche zum Bündnis gehören. Wenn wir also das Neue Testament lesen, müssen wir es vor dem Hintergrund dieser ursprünglichen Geschäftsbedingungen lesen, um herauszufinden, was gemeint ist. Wir dürfen zudem nicht vergessen, dass die einzige Bibel, auf die Paulus und Co. beim schreiben ihrer Briefe zurückgreifen konnten, das Alte Testament war. Die „Schrift“, von der in 2. Tim 3,16 die Rede ist, ist also nicht das Neue Testament, sondern das Alte:

  • Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.

Fangen wir doch an, diese Schrift wieder zu nutzen und Gottes Willen zu erfüllen, um damit das Königreich des Himmels auf die Erde zu holen. Yeshua, sein eigener Sohn und selber Gott, war uns ein Vorbild darin und hat NUR getan, was er Seinen Vater hat tun sehen (Joh 5,19). ER, der selber die Macht und Erkenntnis gehabt hätte, zu wissen, was als nächstes dran ist, hat sich einzig und allein nach den Taten seines himmlischen Vaters gerichtet – wieviel mehr sollten wir einfachen Nachfolger Yeshuas danach streben, nur das zu tun, was wir IHN tun sehen, ganz egal, was der Rest der Welt – und der Christen – tut. Yeshua, als vollkommener Gott in der Gestalt eines Menschen, sollte das einzige Vorbild jedes Christen sein, nur ER allein. Kein anderer Christ, kein Pastor, keine Kirche, kein Papst, keine Überlieferung, keine Tradtition und schon gar keine aus dem Kontext genommene Auslegung Seines Wortes.

Fangen wir an, mit unserem König im Gleichschritt zu gehen, an SEINEM Ruhetag mit ihm zu ruhen, SEINE Feste mit ihm zu feiern – denn weder der Sabbat, das „koschere“ Essen, noch die biblischen Feste sind jüdisch. Die Juden sind einfach die einzigen, die sich noch daran halten und in diesem Punkt dem Rest der Welt einen Schritt voraus sind. Wir haben dafür den Messias der Juden erkannt. Wenn wir uns zusammentun, ist das Bild komplett und ich würde auch sagen, die Braut bereit. Juden, die ihren Erlöser noch nicht kennen und Christen, die die Gesetze des Himmels nicht mehr ernst nehmen, geben beide ein unvollständiges Bild ab. Ich glaube, dass die Christen wieder den Weg zurück zum Ölbaum finden müssen, in den sie eingepfropft wurden und dass so auch die Juden Ihren Erlöser endlich erkennen können, weil Sie eifersüchtig sind, dass wir zwar die Gesetze einhalten, dies aber aus Liebe und Dankbarkeit und im Bewusstsein tun, dass wir Vergebung für unsere Sünden erhalten haben (Römer 11,11).

Ich sehne mich danach, dass Offb 14,12 Wirklichkeit wird, wo das gleichzeitige Halten der Gebote Yahwehs und der Glaube an Yeschua das vereinende Merkmal aller Himmelsbürger wird – ob messianischer Jude oder hebräischer Christ.


Schlusswort

Ich wünsche mir, dass Gott uns im Bezug auf das Thema „Gesetz“ die Augen öffnet und uns erkennen lässt, dass es nicht um Gebote und Verbote geht, sondern um eine freiwillige Bekundung unserer Liebe zu Ihm, unserem Schöpfer, indem wir anfangen, Ihn wieder 100% beim Wort zu nehmen. Dass uns im Gegenzug für unsere menschlichen Bemühungen, Yahwehs Anweisungen zu folgen, Leben im Überfluss gegeben wird, ist mit der überschwenglichen Natur Gottes zu erklären und auch ein Gesetz der Liebe. Denn was man sät das erntet man.

Mit jedem Zeichen der Liebe, das wir im Sichtbaren (und somit auch in der unsichtbaren Welt) setzen, verkünden wir nicht nur, in welchem Herrschaftsgebiet wir und bewegen, sondern auch, dass der König der Liebe tatsächlich lebt und real und fassbar ist – auch heute noch, nach 2000 Jahren. Genau so real, wie er vor ca. 3000 Jahren war, als er am Berg Sinai zu seinem Volk sprach und sich als ihr lebendiger, ehrfurchtsgebietende Gott offenbarte – SO real, dass das Volk Israel wünschte, Seine Stimme nie mehr zu hören, weil sie so furchterregend war (1. Mose 20,19)!

Ja, wir dienen einem furchterregenden Gott, aber auch einem, der uns so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn im Tausch für uns gab, um ewig Gemeinschaft mit uns haben zu können. Die Erkenntnis darüber, dass seine Gebote noch gültig sind und wie ich hier auf Erden schon ein Himmelsbürger sein kann, indem ich im Gesetz der Liebe wandle, erfüllt mich mit Freude. Es ist kein Leistungsdruck da, sondern Leichtigkeit und Dankbarkeit darüber, dass Yahweh uns mit der Bibel so klare und einfache Anweisungen gegeben hat, Ihm in Liebe etwas zurückzugeben und selber Segen daraus zu ernten.

  • 1. Joh 5,2: Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.

Seine Gebote sind wirklich nicht schwer, so wie auch Yeshua in Matth 11,30 sagt, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist – wohl, weil er den schweren Teil selber trägt!


Quellen

Jim Staley: What is true faith

[1] Jim Staley: And He Rested. Video: 1:08:01

[2] Guenich, Dieter: „Alemannische Sprach- und Stammesgrenzen. Ein kritischer Rückblick“. In: Grenzüberschreitungen. Der alemannische Raum – Einheit trotz der Grenzen? Hg. W. Homburger. Jan Thorbecke Verlag: 2012.

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