Alternativen zu Mainstreamprodukten

coconut

Als ich vor acht Jahren das kaltgepresste Kokosöl entdeckte, begann für mich eine Reise in die Dimension natürlicher Pflegeprodukte. Wer heute einen Blick in mein Badezimmer wirft, wird da kaum Plastikflaschen oder Produkte aus dem Detailhandel finden, vielmehr reiht sich ein Glas ans andere mit selbstgemachten Sachen. Diese setzen sich aus einer Handvoll Basisprodukten zusammen, die unverändert der Natur entspringen und deren Rezepte ich jetzt mit euch teilen will, da ich immer mal wieder nach Zusammensetzungen gefragt werden.

Text als PDF 

1   Kokosöl

Allen Grundzutaten voran geht das kaltgepresste Kokosöl, sprich das, welches nach Kokosnuss riecht und ab 24 Grad schmilzt. Obwohl es in unseren Breitengraden meist fest ist, nennt man es mehrheitlich ein Öl, weil es in den Südseeländern, wo es gewonnen wird, aufgrund des warmen Klimas flüssig ist.

Dieses Kokosöl habe ich damals entdeckt, als im „In Touch“ Magazin Methoden verschiedener Stars vorgestellt wurden, wie sie sich fit halten. Renée Zellweger gab damals an, jeden Tag 3-4 EL Kokosöl zu essen, um schlank zu bleiben. Ein Experte kommentierte, dass das richtig sei, da Kokosöl den Stoffwechsel ankurble. Allein aufgrund dieser einen Information war ich sofort Feuer und Flamme und durchkämmte das Internet nach mehr Informationen zu Kokosöl. Dummerweise war Samstagabend und ich konnte den Montagmorgen fast nicht erwarten, wo ich welches kaufen konnte!

Seither sind 8 Jahre vergangen und mittlerweile benutzt ein Teil meiner Verwandtschaft und meines Freundeskreises, angesteckt durch meine Begeisterung, Kokosöl selbst  und ich selber habe immer wieder damit experimentiert und benutze es heute für die unterschiedlichsten Zwecke. Ich kann sagen, dass es nicht nur zahlreiche z.T. teure Produkte ersetzt hat, sondern auch mein Leben bereichert und gleichzeitig vereinfacht hat.

1.1   Tages- und Nachtcreme

Die Informationen aus dem Netz über Kokosöl überzeugten mich in dem Masse, dass ich mich schweren Herzens entschied, es für 1-2 Wochen anstelle meiner geliebten, wohlriechenden Tages- und Nachtcremes zu testen – der Duft de Kokosöls ist nämlich nicht so ganz meins. Ich testete es also wie geplant und stellte fest, dass es meine teuren Cremes in seiner Wirkung übertraf – und dabei um ein vielfaches günstiger war und zudem 100% natürlich!

Erst viel später erfuhr ich, dass Kokosöl die Hautporen nicht verschliesst, was der Haut ermöglicht, zu atmen während die Cremes im Handel darauf angelegt sind, die Haut hermetisch abzuriegeln – angeblich, um sie vor Umwelteinflüssen zu schützen…

1.2  Stärkung des Immunsystems und Behandlung von Blasenentzündung

Ich habe es mir angewöhnt, jeden Tag mindestens 1 EL Kokosöl zu mir zu nehmen, meist vor dem Frühstück (allerdings nicht mit zu viel Abstand zum Essen, da es besonders auf leeren Magen abführend wirkt).

Kokosöl ist nämlich antibakteriell, antiviral, antifungal und enthält 50% Laurinsäure – der Baustoff, der zu ca. 10% in der Muttermilch enthalten ist, um beim Säugling das Immunsystem aufzubauen und zu stärken. Die Einnahme von Kokosöl erhöht den Lauringehalt in der Muttermilch, was nicht nur dem Schutz des sich im Aufbau befindenden Organismus zugute kommt, sondern auch zu einer besseren Sättigung des Kindes führt, wo vorher die Muttermilch nicht ausgereicht hat.

Ich nehme jeweils ca. 1 EL Kokosöl in den Mund, lasse es schmelzen und spüle es schnell mit einem Glas Wasser runter (weil ich den Geschmack ja nicht so sehr mag).

Ich habe auch schon erfolgreich eine Blasenentzündung damit kuriert: sobald ich die (bekannten) Schmerzen spürte, nahm ich kurz vor dem Essen 3 EL vom Öl. Ungefähr eine halbe Stunde später stellte ich fest, dass die Symptome weg waren – sie kamen auch nicht wieder.

1.3   Sonnencreme, Après Soleil, Bodylotion

Wenn ich erwähne, dass ich als Sonnenschutz Kokosöl benutze, werde ich oft ungläubig angeschaut – wenn mir nicht gar Fahrlässigkeit vorgeworfen wird! Es gibt aber mindestens drei Argumente, die für Kokosöl als bessere Alternative sprechen (abgesehen davon, dass ich mich seit 8 Jahren damit erfolgreich vor Sonnenbrand schütze):

  1. Vitamin D – Sonne Tanken
    Kokosöl schützt die Zellen vor Schäden, lässt aber gleichzeitig noch die UV-Strahlen durch, die der Körper braucht, um Vitamin D bilden zu können. Vitamin D – eigentlich ein Hormon – dient dann u.a. als Schutz vor Hautkrebs(!). Mit Sonnencreme ist dieser Prozess nicht möglich, da sie die UV-Strahlung ausfiltert. Wer also richtig „Sonne tanken“ will, ist mit Kokosöl besser bedient, denn Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Körper bei Überschuss nicht ausscheidet, sondern speichert, bis es gebraucht wird. Ein zweiwöchiger Strandurlaub ist also durchaus gesundheitsförderlich, weil man die Vitamin D Depots auffüllt.
  2. Chemikalien
    Sonnencreme ist vollgepumpt mit synthetischen Chemikalien, die über kurz oder lang ihren Weg in die Blutbahn finden. Was viele sich nicht bewusst sind: unser Körper wird nicht nur mit dem genährt, was wir essen und trinken, sondern auch mit dem, was unsere Haut aufnimmt. Für die Haut als grösstes menschliches Organ sollte daher dasselbe Credo gelten, wie auch für die Nahrungsaufnahme: die Pflegeprodukte sollten essbar sein. Wer würde schon Sonnencreme essen? Kokosöl hingegen wird aus der Kokosnuss gewonnen, die ein 100% natürliches Nahrungsmittel ist.
  3. Nutzung des körpereigenen Sonnenschutzes
    Mit Kokosöl als Sonnenschutz bräunt sich die Haut mit natürlicher Geschwindigkeit, d.h. schneller als mit Sonnencreme. Diese Pigmentierung wirkt dann als natürlicher Sonnenschutz zusätzlich gegen Schäden.
    A propos körpereigener Sonnenschutz: wenn man eine Sonnenbrille trägt, wird dem Körper vorgegaukelt, dass man sich im Schatten aufhält und als Konsequenz wird der natürliche Schutz heruntergefahren. Es ist also ratsam, in der Sonne keine Sonnenbrille zu tragen!

Das einzige Contra bei Kokosöl ist, dass man sich öfter eincremen muss als mit Sonnencreme (es hat ca. Schutzfaktor 4). Allerdings ist es sehr angenehm, an trockenen, heissen Sommertagen die Haut mit einem so leichten Öl zu verwöhnen. Entgegen landläufiger Meinung fühlt sich die Haut nämlich nicht sonderlich fettig an, weil Kokosöl das Öl ist, das am meisten kurz- und mittelkettige Fettsäuren aufweist, d.h. hauptsächlich aus kleinen Teilchen zusammengesetzt ist, die schnell und gut einziehen.

Heute ertrage ich es im Gegenteil kaum, wenn ich z.B. in den Bergen aufgrund der stärkeren Sonneneinstrahlung mal Sonnencreme benutzen muss, weil es einen klebrigen Film auf meiner Haut hinterlässt.

Nach dem Sonnenbad ist das Öl natürlich super als Après Soleil und auch sonst eignet es sich perfekt als Bodylotion. Interessanterweise mag ich den Duft von Kokosöl auf meiner Haut, obwohl das pure Öl nicht so meinen Geschmack trifft….

1.4   Abschminkmittel

Kokosöl ist mein liebstes Abschminkmittel für Make Up, Lidschatten und besonders wasserfeste Mascara! Es bringt einfach alles weg. Wer sein Gesicht extragründlich reinigen will, füge noch Lavaerde dazu: d.h. das Gesicht mit Kokosöl einstreichen und mit Lavaerdenpaste abwaschen. Der Clou: Beduinen im Nahen Osten stellen aus Fett und einer Art Wascherde Seife her, d.h. die Kombination Kokosöl-Lavaerde wirkt wie Seife und kann sogar Schaum erzeugen!

1.5   Deo ohne Aluminium

Ich glaube das Deo mit Kokosöl als Grundlage ist eins meiner liebsten Ersatzprodukte, weil es schlicht und einfach funktioniert und zwar oft besser als gekaufte Deos – und dabei ganz ohne Aluminium auskommt.

  • Deo:
    2 dl Kokosöl (zum fester machen 1-2 EL Sheabutter oder Kakaobutter)
    50g Natron (z.B. Backabteilung Migros)
    30 Tropfen ätherische Öle. Mein Favorit zur Zeit ist arabische Minze, weil es so erfrischend riecht

Menge einer ½ Haselnuss pro Achselhöhle einstreichen (bei einem höheren Anteil Natron reicht auch weniger), einziehen lassen und bei Bedarf vor dem Anziehen kurz abtupfen. Dieses Rezept ist sehr ergiebig, mir reicht es erfahrungsgemäss für mindestens 8 Monate.

Wichtig ist, dass das Deo genug Natron enthält, denn dieses ist die Hauptzutat, welche den unerwünschten Geruch neutralisiert. Wenn es nicht gut genug wirkt nicht gleich aufgeben, sondern mehr Natron beimischen!

Man könnte auch Natron in Wasser auflösen und dieses mit ätherischem Öl als Spraydeo benutzen, allerdings habe ich das aus Mangel an einem geeigneten Sprayfläschchen noch nicht ausprobiert.

1.6   Zahnpasta ohne Fluor, Mundpflege

Eine Alternative zu herkömmlicher Zahnpasta suchte ich, um das Fluor zu umgehen, das in den meisten Zahnpasten enthalten ist. Fluor ist ein Gift und daher für den Menschen nicht empfehlenswert. Und auch beim Zähneputzen sollte der Grundsatz gelten, nur Mittel zu benutzen, die man essen würde bzw. essen kann. Zutaten wie Heilkreide sind zwar nicht das tägliche Brot des Menschen, können aber zu therapeutischen Zwecken auch eingenommen werden.

Nebst einer selbstgemachten Zahnpasta, habe ich vor ein paar Jahren angefangen, täglich mit Kokosöl ölzuziehen, um den Mundraum zu entgiften und die Zähne zusätzlich zu säubern. Kokosöl hat die Fähigkeit, zwei Bakterien, die als Karieserreger gelten, zu zerstören ohne dabei die guten Bakterien aus dem Verkehr zu ziehen – etwas, das kein anderes Öl schafft.[1]

  • Zahnpasta 1
    Heilkreide mit etwas flüssigem Kokosöl vermischen und nach Bedarf ätherisches Öl beifügen (mein Favorit auch hier: arabische Minze).
  • Zahnpasta 2 (toll für Kinder)
    Kokosöl, Xylit (Birkenzucker – ein Zuckeraustauschstoff der für Zähne unbedenklich ist) und ätherisches Minzeöl. Supererfrischend und lecker!
  • Zahnpulver
    Heilkreide und Zimtpulver (Gewürzabteilung). Zahnbürste benetzen und ins Pulver tauchen…
  • Anleitung zum Ölziehen:
    1 KL – 1 EL Kokosöl in den Mund nehmen, schmelzen lassen und 10-15 Minuten durch die Zähne ziehen. Dann in den Abfall spucken, Mund ausspülen und ggf. noch Zähne putzen (keine Zahnpasta nötig).

Ich mache das meist morgens während meine Spiegeleier auf dem Herd brutzeln und ich mich im Bad schminke…

1.7   Haaröl

Ich benutze Kokosöl gerne, um die „fliegenden Härchen“ auf dem Kopf zu bändigen. Meist reicht da eine ganz kleine Menge. Am besten nach dem Eincremen des Gesichts mit wenig überschüssigem Öl die Härchen glätten.

Es ist auch als Pflege für die (trockenen) Haarspitzen geeignet. Ein wenig Öl auf Händen und Fingern gut verteilen und in die Haarspitzen einarbeiten.

1.8   Badeöl

Eine beliebige Menge Öl ins Badewasser geben, nach Wunsch mit ein paar Tropfen ätherischem Öl. Als cooler Nebeneffekt lässt sich die Badewanne – besonders wenn man es nicht am gleichen Tag macht – danach super putzen, weil das Öl ja grundsätzlich eine reinigende Wirkung hat und in der Zwischenzeit den Schmutz löst.

1.9   Rasieröl

Tolles Hilfsmittel bei der Nassrasur – ersetzt den Rasierschaum und hinterlässt nach der Rasur ein angenehmes Gefühl. Ein Nachcremen ist dann meist nicht mehr nötig.

Ich bewahre all diese Produkte in offenen Gläsern (z.B. Kerzengläser) auf, da das Kokosöl jahrelang haltbar ist, ohne ranzig zu werden. D.h. es verträgt – im Gegensatz zu anderen Ölen – Licht, Wärme und Sauerstoff ziemlich gut.

Dies sind nur ein paar Ideen, was man mit Kokosöl machen kann. Wer sich eingehender über Kokosöl informieren möchte, besonders auch im Hinblick auf die Behandlung gesundheitlicher Probleme, dem empfehle ich, sich im Internet schlau zu machen oder – wer Englisch kann – Bücher von Dr. Bruce Fife zu lesen.

2   Ätherisches Öl und Salböl

Wo wir schon mal beim Öl sind, ist es am Naheliegendsten, mit ätherischem Öl weiterzufahren. Es ist die natürliche destillierte Essenz von Pflanzen und Harzen, welche das Gewächs vor Schäden schützt und eine Art Immunsystem darstellt. Es ist ein hochkonzentriertes und hochpotentes Öl, allerdings nicht ein fettes, d.h. es fühlt sich nicht fettig an. Aufgrund seiner Fettlöslichkeit wird es aber als Öl kategorisiert und eignet sich daher optimal in Verbindung mit fetten Ölen wie z.B. kaltgepressten Pflanzenölen.  Die Mischung eines ätherischen Öls mit einem fetten Öl nennt man in der Fachsprache Mazerat, ansonsten auch Salböl (mehr zu Salbölen und ätherischen Ölen in meiner Proseminararbeit).

Offiziell wird davon abgeraten, ätherische Öle pur zu benutzen, allerdings steckt dahinter das Wissen, dass sie wirken und zwar so gut, dass kostenpflichtige Medikamente überflüssig werden können. Allerdings macht es Sinn, die puren Öle auf Verträglichkeit zu testen:  ein paar Tropfen über Nacht in die Armbeuge geben. Falls am nächsten Tag noch Rötungen da sind, ist es ratsam, das ätherische Öl nur in Verbindung mit einem fetten Öl anzuwenden. Ansonsten ist die pure Anwendung unbedenklich – wenn sich die Haut direkt nach dem Auftragen ein wenig rötet ist das normal. Nur bei Kindern sollte man bei der Dosierung sehr vorsichtig sein, weil sie stärker darauf reagieren.

Ich habe eine Sammlung verschiedenster Öle, die mich persönlich vom Duft her ansprechen, wie z.B. Orange süss, Zimtrinde, arabische Minze, Narde, Weihrauch, oder die ich für bestimmte Zwecke angeschafft habe, wie z.B. Teebaumöl, Zitrone, Rosmarin, Thymian, Oregano, Nelke. Denen, die am Anfang stehen mit ätherischen Öle rate ich jeweils, mit Düften anzufangen, die sie ansprechen – ich selber habe beobachtet, dass ich nicht in jeder Lebensphase dasselbe als Wohlgeruch wahrnehme und ich denke, dass uns unser Körper unbewusst ein Signal sendet, was uns guttut und was wir brauchen.

2.1   Schmerzlinderung und Entspannung

Ätherische Öle wirken schmerzlindernd. Ich persönlich behandle damit Verspannungen, indem ich ein paar Tropfen unverdünnt auf die betroffene Stelle streiche, meist mit ein wenig Kokosöl als „Grundierung“. Gegen Verspannung hilft auch ein warmes Bad mit ein paar Tropfen Öl, z.B. Rosmarin und/oder Thymian.

Es wirkt auch gegen Mensbeschwerden: dazu einfach ein paar Tropfen pur auf den Bauch streichen. Innerhalb von 15-30 Minuten sollte eine schmerzlindernde Wirkung eintreten, die Schmerztabletten überflüssig macht. Bei Bedarf wiederholen.

Bei einem meiner Neffen hat im Alter von 7 Jahren ein selbstgemischtes Salböl – mein Parfümöl, zu dem ich im nächsten Punkt komme – geholfen, die Ohrenschmerzen zu nehmen. Meine Schwester hatte es ihm einfach grosszügig ums Ohr herum eingerieben.

2.2   Parfümöl

Da mich grundsätzlich nur ganz wenige Parfüme ansprechen und ich Chemie möglichst umgehen will, habe ich angefangen, mein eigenes Parfümöl zu mischen.

Mein Dauerbrenner besteht aus folgenden Zutaten:

  • 40 ml Aprikosenkernöl als Basis
  • 10 ml Salböl Narde (von abbaoil.ch)
  • 8 Tropfen Weihrauch Indien
  • 5 Tropfen Orange süss
  • 3 Tropfen Zimtrinde

Ich benutze das Öl v.a. als Duftöl, gebe ein wenig auf meinen Hals und meine Handgelenke, oder arbeite es anstelle von Kokosöl in meine Haarspitzen.

2.3   Lipbalm

Da ich ein paar leere Lipbalmbehälter hatte, kam ich auf die Idee, Lippenpflege selber zu machen und hab mir dafür ein Rezept aus dem Internet gesucht. Als süsses Detail habe ich noch Honig reingemischt.

  • Kokosöl, Bienenwachs, Kakaobutter im Wasserbad schmelzen
  • Honig
  • Ätherische Öle: Zimt, Orange süss

Die flüssige Mischung in einen alten Drehbehälter oder ein Gläschen füllen und abkühlen lassen. Durch den Wachs und die Kakaobutter bleibt der Lipbalm auch bei wärmeren Temperaturen fest, da diese einen hohen Schmelzpunkt haben.

3   Lavaerde

Nun zu einem meiner liebsten Naturprodukte, das ich nicht mehr missen möchte.

„Lavaerde“ ist ein Überbegriff für Wascherden verschiedenster Herkunft und kommt von lat. lavare = ‚waschen‘. Das Geheimnis der Lavaerde liegt darin, dass sie sehr saugfähig ist und Schmutz und Fett lösen kann.

Mein persönlicher Favorit ist das Ghassoulpulver, die marrokanische Variante. Der Grund liegt darin, dass es mit Wasser angerührt nicht sandig bleibt, wie andere Wascherden, sondern emulgiert, eindickt und sich leicht geelig anfühlt. Das heisst, dass man sich die Konsistenz nach Präferenz mischen kann und selber zwischen fester Paste oder flüssigerem Produkt bestimmen kann.

Hier einige Einsatzmöglichkeiten für Lavaerde.

3.1   „Schampoo“ und Pflegespülung

Ich kann mich zwar nicht erinnern, wie ich darauf gekommen bin, Lavaerde anstelle von Schampoo zu benutzen, dafür aber sehr gut, wie ich mit handelsüblichen Schampoos jeweils alle 2 Tage meine Haare waschen musste, weil sie so schnell fettig wurden!

Ich weiss auch nicht mehr genau, wie lange ich schon mit Lavaerde die Haare wasche, nur, dass es eine Weile dauerte, bis ich den Dreh raus hatte. Heute wasche ich meine Haare im Schnitt 1x die Woche, manchmal nach fünf Tagen, manchmal auch nach neun oder zehn.

Als Schampooflasche benutze ich eine Glasflasche mit grosser Öffnung (wer’s genau wissen will: die 360g Longobardi-Flasche für passierte Tomaten von Migros), fülle sie zu ca. 2/3 mit Wasser und gebe 6-7 EL Ghassoulpulver rein. Dann Deckel drauf und gut schütteln. Wenn man sie ein paar Minuten stehen lässt, dickt die Mischung etwas ein. Das reicht mir für 2x Haarewaschen und einige Gesichtsmasken.

1kg Pulver reicht so für 4-5 Monate.

  • Haare waschen:
    Die Haare gut nass machen und einige Handvoll Lavaerde kopfnah einmassieren. Am besten auch kopfüber auf den Hinterkopf, um das hintere Deckhaar auch zu erwischen. Die Haarlängen kann man dabei vernachlässigen, weil die ja kaum fettig werden – zudem kriegen sie beim Ausspülen auch noch etwas ab. Dann ein paar Minuten einwirken lassen und – ganz wichtig! – gründlich ausspülen! Rückstände können die Haare beim Trocknen verkleben.

Falls es am Anfang nicht richtig klappt, einfach grosszügiger sein mit der Menge, besser einmassieren, gründlicher ausspülen.

Eine Pflegespülung kann man getrost weglassen, sie belastet die Haare mit ihrem Silikongehalt nur unnötig (und macht, dass man schneller wieder Haare waschen muss).

Nach der Wäsche lass ich die Haare immer an der Luft trocknen (einen Fön gibt’s in meinem Haushalt nicht), auch bei Minusgraden draussen – krank wurde ich noch nie davon.

3.2   Duschgel, Waschgel, Gesichtsmaske

Lavaerde ist zudem ein sehr angenehmes und funktionales Duschgel, das ich jedem empfehlen kann und eignet sich gut für die Gesichtswäsche.

Ich benutze sie auch gerne und regelmässig als Gesichtsmaske. Für die Maske verteile ich die Lavaerde grosszügig auf dem Gesicht und lasse sie meist eintrocknen, bevor ich sie abspüle.

3.3   Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Wenn es – trotz Vorsicht – doch einmal vorkommt, dass ich mir einen Sonnenbrand hole, bedecke ich die ganze gerötete Fläche mit Lavaerde und lasse sie eintrocknen. Dann spül ich sie ab.

Interessanterweise erträgt man nach dieser Behandlung an der betroffenen Stelle wieder warmes Wasser – was bei Sonnenbrand sonst eher eine Qual ist – und die Haut schmerzt allgemein nicht mehr. Sie erholt sich auch sonst schneller vom Sonnenbrand.

Ich vermute, dass der Grund darin liegt, dass Lavaerde während der „Einwirkung“ Wasser an die Haut abgibt (eine Verbrennung geht immer mit Wasserverlust der Zellen einher) und mit ihrem Mineraliengehalt auch gleich Baustoffe liefert, um die Zellen zu reparieren (jede Körperzelle besteht hauptsächlich aus Protein, Cholesterin und Mineralstoffen).

Logischerweise kommt bei mir nach einer solchen Behandlung noch eine Schicht Kokosöl auf die Haut…

4   Salze

Entgegen landläufiger Meinung spielt Salz eine wichtige Rolle in der Ernährung, weil es viele Mineralstoffe liefert: salzreduziertes Kochen ist also nicht zu empfehlen. Allerdings ist auch hier auf die Qualität des Salzes zu achten: es sollte möglichst naturbelassen sein, d.h. nicht entmineralisiert sein. Das gewöhnliche Tafel- und Speisesalz ist ein Abfallprodukt der Industrie und enthält keinerlei Mineralstoffe mehr, es ist also eine Art „Leergut“, das man vermeiden sollte. Mit unbehandeltem Meersalz ist man besser beraten, die beste Wahl ist aber Steinsalz (Alpensalz, Himalayasalz…), weil dieses keine Verunreinigungen enthält. Ebenso wirkt Salz auch, wenn es über die Haut aufgenommen und eingeatmet wird (z.B. Meerwasser und –luft).

In meinem Haushalt verwende ich verschiedene Salzarten für die unterschiedlichsten Zwecke.

4.1   Steinsalz-Tonic

Nebst Essen dieses Salzes mache ich mir auch ein Tonic daraus, um die Haut zu reinigen. Auf die Idee gebracht hat mit Meerwasser, weil dieses als gesund und heilsam gilt. Ich löse einfach ein wenig Salz in Wasser auf und bewahre dies in einem Glasfläschchen auf. Bei Bedarf reinige ich mir mit Hilfe eines Wattepads damit das Gesicht.

4.2   Bittersalzbad

Bittersalzbäder werden empfohlen, um die Haut zu entsäuern bzw. „Schlacken“ abzutransportieren. Dies geschieht, indem die Haut die basischen Mineralstoffe aus dem Bittersalz aufnimmt und so die sauren Stoffwechselabfälle neutralisiert (mehr zu Säuren und Basen in meinem Blogpost „An Apple a Day…“ – really?).

Dazu mind. 500g Bittersalz im warmen Badewasser auflösen, um das Wasser genug basisch zu machen, und möglichst lange geniessen. Als Alternative zum teuren Bittersalz aus der Apotheke benutze ich Bittersalz, das in Baumärkten zu 5kg oder 10kg als „Düngemittel“ verkauft wird.

4.3   Natron: Entsäuerung und Reinigung

Ich nehme täglich vor dem Schlafengehen zwei 1g Kaisernatron-Presslinge zur Remineralisierung bzw. als Unterstützung für die Entsäuerung des Körpers. Diese zwei Gramm täglich sind für mich genug, um z.B. Wadenkrämpfe vorzubeugen, allerdings auch erst seit ich auf die Schaubkost umgestellt habe, die sehr mineralstoffreich ist (siehe mein Blogpost dazu). Davor brauchte ich teure Nahrungsergänzung um dasselbe Ziel zu erreichen.

Mit Essig vermischt kann man Natron auch einsetzen, um z.B. Zahnbürsten zu desinfizieren. Es kann auch sonst vielseitig in der Reinigung eingesetzt werden, ebenso wie Soda.

4.4   Soda

Soda ist auch eine Art Natron, allerdings nicht zum Einnehmen. Es besitzt eine hohe, natürliche Reinigungskraft und ich mache mir damit Waschmittel und Geschirrspülpulver.

  • Waschpulver
    1 Teil Handseife geraffelt
    2 Teile Soda (d.h. doppeltes Gewicht)
    Vermischt in einem Behälter aufbewahren und wie normales Waschpulver dosieren.
  • Geschirrspülpulver
    2 Teile Soda
    2 Teile Zitronensäure
    1 Teil Geschirrspülsalz
  • Klarspülmittel für den Geschirrspüler
    Dieses enthält zwar kein Soda, passt aber gut an diese Stelle.
    50 g Zitronensäure in
    2 dl heissem Wasser auflösen. Abkühlen lassen! Dann
    3 dl Brennsprit dazugeben

5   (Flüssig)seife

Seit einigen Jahren ist Seife bei mir wieder hoch im Kurs. Mein Favorit ist „Savon de Marseille“, von der ich mir jeden Sommer aus Frankreich Vorrat mit nach Hause nehme – bis zur eigenen Seifenherstellung habe ich es bisher nicht gebracht. Savon de Marseille wird auf der Basis von Olivenöl gemacht und es gibt verschiedenste Düfte zur Auswahl. Ich benutze sie neuerdings wie oben beschrieben für die Kleiderwäsche, pur fürs Händewaschen, oder auch als Flüssigseife.

Wer auf der Suche nach einer (günstigen!) Alternative für handelsübliche Flüssigseife ist, ist hier genau am richtigen Ort. Man kann dafür natürlich jede Art von Handseife benutzen, es bietet sich auch sehr an, wenn man alte Seifen(reste) hat, die man sonst nicht mehr braucht.

Dazu einfach 1 ganze Seife raffeln und mit 3 l kochendem Wasser übergiessen, und einige Stunden leicht köcheln lassen und mit dem Schwingbesen rühren. Die Konsistenz wird erst nach dem Abkühlen ersichtlich – in heissem Zustand wirkt sie immer viel dünner, als wenn sie abgekühlt ist. Ev. muss man anfangs etwas tüfteln, um den gewünschten Flüssigkeitsgrad zu erreichen: dafür einfach das erkaltete Gemisch nochmals erhitzen und einkochen lassen, um die Seife fester zu machen oder Wasser dazugeben, um sie flüssiger zu machen.

6   Bezug der Produkte

Wer in diesem Gebiet am Anfang steht und vielleicht mit all dieser Information etwas überfordert ist – mir wird erst jetzt bewusst, wie viele handelsübliche Produkte ich nun schon ersetzt habe! – rate ich, einfach mal mit einem Produkt anzufangen. Vielleicht hast Du schon verschiedenste „natürliche“ Deos ausprobiert mit mässigem Erfolg – warum nicht einfach mal eines selbst machen? Gerade bei diesem Thema sind viele skeptisch, weil sie der Natur nicht mehr trauen, aber diesen gebe ich jeweils ein kleines Gläschen zum testen und sobald sie davon überzeugt sind, fragen sie dann nach dem Rezept zum Selbermachen. Es macht Freude, die Produkte selber zu mischen und auch ein wenig auszuprobieren, was für den Alltag am praktischsten ist.

Als praktische Starthilfe gebe ich euch hier mal an, wo ich meine Produkte beziehe:

 

7   Weitere Links

[1] http://bewusst-vegan-froh.de/kokosnussoel-ist-besser-als-jede-zahnpasta/

Kommentar-Funktion geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: